Freigericht. Nach insgesamt fast fünf Jahrzehnten ehrenamtlichem Feuerwehrdienst haben Harald Hellenbrandt und Stefan Winter ihre aktive Führungsverantwortung bei der Freiwilligen Feuerwehr Freigericht beendet. Beide prägten über viele Jahre die Entwicklung der Feuerwehr und standen seit 15 Jahren gemeinsam an ihrer Spitze. Zum 30. Juni wurden der Gemeindebrandinspektor und sein Stellvertreter nun im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung offiziell verabschiedet.
Die Feierstunde in der Freigerichthalle in Altenmittlau bot zahlreiche Anlässe, auf die langjährige Tätigkeit der beiden Feuerwehrführungskräfte zurückzublicken und ihren Einsatz zu würdigen. Bürgermeister Waldemar Gogel ernannte Harald Hellenbrandt zum Ehren-Gemeindebrandinspektor und Stefan Winter zum stellvertretenden Ehren-Gemeindebrandinspektor. Darüber hinaus erhielten beide aus den Händen von Kreisbrandinspektor Markus Busanni das silberne Brandschutzverdienstzeichen am Bande des Landes Hessen, das im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein verliehen wurde.
In seiner Ansprache hob Bürgermeister Gogel insbesondere die hohe persönliche Verlässlichkeit und das außergewöhnliche Engagement der beiden hervor. Feuerwehrführung bedeute nicht nur Verantwortung während Einsätzen, sondern erfordere auch außerhalb der Einsatzzeiten einen erheblichen persönlichen Einsatz. Zahlreiche Vorhaben der vergangenen Jahre seien mit dem Wirken von Hellenbrandt und Winter verbunden.
Harald Hellenbrandt blickt auf 49 Jahre Feuerwehrzugehörigkeit zurück. Seine Laufbahn begann in der Jugendfeuerwehr. Im Laufe der Jahrzehnte übernahm er zunehmend Verantwortung und war insgesamt 33 Jahre in verschiedenen Führungsfunktionen tätig. Sein Weg führte ihn vom stellvertretenden Wehrführer schließlich an die Spitze der Freigerichter Feuerwehr.
Besonders hervorgehoben wurden seine strukturierte und gewissenhafte Arbeitsweise sowie sein organisatorisches Geschick. Viele Maßnahmen im Zusammenhang mit der Beschaffung neuer Einsatzfahrzeuge und der Entwicklung der Feuerwehrhäuser seien während seiner Amtszeit umgesetzt worden. Darüber hinaus engagierte sich Hellenbrandt unter anderem in der Brandschutzerziehung und bei Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde. Für zahlreiche Feuerwehrangehörige sei er über Jahre hinweg ein wichtiger Ansprechpartner gewesen.
Auch Stefan Winter kann auf eine außergewöhnlich lange Feuerwehrlaufbahn zurückblicken. Seit 48 Jahren gehört er der Feuerwehr an, davon war er 29 Jahre in unterschiedlichen Führungspositionen tätig. Seine Stationen reichten vom Wehrführer bis zum stellvertretenden Gemeindebrandinspektor.
Bei Winter standen neben der Führungsarbeit insbesondere organisatorische und zwischenmenschliche Aufgaben im Mittelpunkt. Ihm wurden eine ausgeprägte Menschenkenntnis sowie sein Talent zugeschrieben, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Als Ansprechpartner, Vermittler und Organisator habe er häufig im Hintergrund dafür gesorgt, dass Abläufe funktionierten.
Ein Beispiel dafür ist die von ihm aufgebaute und organisierte Kleiderkammer. Auch die Verwaltung und Dokumentation der Einsatz- und Dienstkleidung sowie die Einführung der neuen Meldeempfänger wurden von ihm begleitet. Eine besondere Würdigung galt zudem seiner Familie: Seine Mutter Ursula hat über viele Jahre hinweg die Ärmelabzeichen der Feuerwehrangehörigen von Hand auf die Dienstkleidung aufgenäht. Mittlerweile kamen dabei rund 400 Abzeichen zusammen. Für diesen langjährigen Beitrag zur Feuerwehr erhielt sie im Rahmen der Veranstaltung ebenfalls besonderen Dank und Blumen.
Landrat Thorsten Stolz würdigte die langjährige Tätigkeit der beiden mit dem Hinweis auf die außergewöhnliche Dauer ihres Engagements. Zusammengenommen kommen Hellenbrandt und Winter auf nahezu ein Jahrhundert Feuerwehrzugehörigkeit. Beide hätten über Jahrzehnte Verantwortung übernommen und damit die Feuerwehr Freigericht nachhaltig mitgeprägt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Würdigung lag auf der Nachwuchsarbeit. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr bedankte sich mit einem eigenen Beitrag bei den beiden ehemaligen Führungskräften. Hellenbrandt und Winter hätten die Arbeit mit dem Feuerwehrnachwuchs stets unterstützt und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr geleistet. In Anspielung auf ihr langjähriges Engagement wurden beide dabei symbolisch als „Superhelden“ verabschiedet.
Neben den Feuerwehrangehörigen und politischen Vertretern wurden auch die Familien der beiden Feuerwehrkameraden ausdrücklich in den Dank einbezogen. Ohne die Unterstützung der Angehörigen wäre ein derart umfangreiches ehrenamtliches Engagement über einen so langen Zeitraum kaum möglich gewesen. Stellvertretend wurden dabei insbesondere Marina Hellenbrandt und Claudia Winter gewürdigt.
Auch die Führungen der Freigerichter Feuerwehren verabschiedeten sich mit einem gemeinsamen Geschenk von den bisherigen Gemeindebrandinspektoren. Weitere Vertreter aus Politik und Feuerwehr nutzten die Gelegenheit, um auf die gute Zusammenarbeit und die Bedeutung der beiden für die Gemeinde einzugehen.
Den abschließenden Höhepunkt des Abends bildete der Große Zapfenstreich. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Musikkapelle der Feuerwehr Hain-Gründau sowie der Musikverein Bad Soden. Unter der Führung von Sandra Siebert traten die Feuerwehrangehörigen teilweise mit Fackeln an. Damit fand die offizielle Verabschiedung von Harald Hellenbrandt und Stefan Winter einen würdevollen und zugleich bewegenden Abschluss.
Mit dem Ende ihrer aktiven Führungsämter geht für beide eine außergewöhnlich lange und von zahlreichen Verantwortungsbereichen geprägte Feuerwehrlaufbahn in einen neuen Abschnitt über. Ihre Erfahrung und ihr langjähriger Einsatz bleiben der Feuerwehr Freigericht dabei auch weiterhin erhalten.



